Spondylose

Die Spondylose, auch bekannt unter Spondylosis deformans, wird meist als Zufallsbefund beim Röntgen festgestellt und löst erst mal einen kurzen Schrecken beim Tierhalter aus. Was genau Spondylose ist und was man dafür oder dagegen tun kann, lesen Sie in diesem Artikel!

Aufbau der gesunden Wirbelsäule

 

Die Hundewirbelsäule besteht aus

  • 7 Halswirbeln
  • 13 Brustwirbeln
  • 7 Lendenwirbeln
  • 3 Kreuzwirbeln (Kreuzbein)
  • 20-30 Schwanzwirbel

Sie schützt das im Wirbelkanal liegende Rückenmark, welches wie das Gehirn ein Teil des zentralen Nervensystems ist.  Seitlich treten von hier paarig die Spinalnerven aus. Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich die Bandscheiben, die als Stoßdämpfer in der Bewegung dienen.

Pathologie und Verlauf

 

Die Spondylose ist eine degenerative Erkrankung der Wirbelsäule, bei der sich die elastischen Strukturen, wie Bänder und Bandscheiben zurückbilden.

 

Um Folgeerkrankungen, wie z. B. dem Bandscheibenvorfall vorzubeugen, bildet der Körper nun zum Schutz Knochenzubildungen an den Wirbelkörpern, mit denen der verschlissene Bandapparat unterstützt und der Druck auf die Bandscheiben gemindert werden soll. Es entstehen Knochenbrücken, die benachbarte Wirbelkörper starr miteinander verbinden. Sind ganze Wirbelsäulenabschnitte auf diese Weise miteinander verknöchert, spricht man von einer "Bambuswirbelsäule".

Die Zubildungen beginnen in der Regel auf der Unterseite der Wirbelkörper. Erreicht die Verknöcherung aber auch die Wirbelbogengelenke oberhalb der Nervenabgänge, wird das Krankheitsbild "Spondylarthrose" genannt. Die damit oft verbundene Kompression der Spinalnerven, führt zu starken Schmerzen, Lähmungserscheinungen und entzündlichen Prozessen.

Besonders prädestiniert für die Bildung von Spondylosen sind Orte erhöhter Belastung. Diese finden wir beim Übergang eines beweglichen zu einem starren Abschnitt der Wirbelsäule.  Bspw. muss die letzte Bandscheibe der beweglichen Lendenwirbelsäule die gesamte Bewegung abpuffern, da sie diese nicht an das starre Kreuzbein weitergeben kann. Aber auch die Nachbarn zweier verknöcherter Wirbel leiden unter erhöhter Belastung, was zu einem vermehrten Verschleiß führt. 

Der Schluss einer Spondylose zieht sich über einen längeren Zeitraum und ist typischerweise charakterisiert durch aktive und schmerzreiche Schübe, sowie nahezu symptomfreie Phasen, in denen die Erkrankung und die notwendige Schonung seitens des Tierhalters oft in Vergessenheit gerät. Hierzu später mehr. Mit Abschluss der Verknöcherung, endet auch die Reizung an der Knochenhaut und somit der Schmerz (an dieser Stelle!) Wichtig jedoch zu beachten ist, dass der Punkt, an dem die Brücke zusammen wächst, die sogenannte Trennfuge, bei Fehl- oder Überbelastung wieder aufbrechen kann und es so wieder zu starken Schmerzen und Entzündungsprozessen kommt. 

Ursachen für Spondylose

 

Natürlich kann ein Hund oder auch eine Katze mit Fehlbildungen, wie z. B. schwachen Bändern oder unterentwickelten Bandscheiben geboren werden. In der Regel sind die Gründe für die Bildung von Spondylosen aber erworben bzw resultieren aus einer bestehenden Erkrankung. Langanhaltende Schon- oder Fehlhaltungen aufgrund von Arthrose oder Knochenbrüchen erhöhen die Belastung und somit den Verschleiß im Wirbelsäulenbereich.

Typische Spondylosenkandidaten sind zum einen unsere Senioren, die aufgrund Altersverschleiß Knochenzubildungen entwickeln, zum anderen sind es aber auch die Hunde, die bereits viel zu früh oder viel zu intensiv im Hundesport aktiv sind oder als Diensthund geführt werden. Falsche Ernährung, sowie starkes Übergewicht begünstigen die Bildung von Spondylosen. Große und schwere Hunde, wie der Boxer und der deutsche Schäferhund, leiden häufiger unter diesem Krankheitsbild, als kleine Hunderassen.  

Symptome der Spondylose

 

Die erkrankten Tiere sind meist lokal im Bereich der Zubildung sehr empfindlich und reagieren bei Berührung teils sehr heftig (Aufjaulen, Schnappen...). Schwierigkeiten beim Aufstehen und Treppensteigen sind keine Seltenheit. Ebenso können Probleme beim Absetzen von Kot und Urin (Inkontinenz) und beim Beinheben auftreten. Im aktiven Schub wirken sie abgeschlagen, lustlos und haben evtl. keinen Appetit. Der Rücken krümmt sich vor Schmerz auf, was gelegentlich auch mit Bauchschmerzen verwechselt werden kann. 

Besonders gut sichtbar sind das unphysiologische (steife)  Gangbild, sowie die unkorrekte Gliedmaßenstellung. Die Muskulatur am Rücken und an der Hinterhand nimmt sehr stark ab, so dass es aufgrund der Muskelschwäche zu Zittern und teilweise sogar Umfallen des Tieres kommen kann. Die verbliebene Muskulatur ist meist sehr verspannt und es enstehen Triggerpunkte, sowie Adhäsionen (Verklebungen). Neurologische Ausfälle treten auf, wenn die Nerven verletzt oder komprimiert werden. Nasses und kaltes Wetter, sowie Übergewicht und Stress verstärken die Symptome.

Behandlung und Therapie

 

Wird eine Spondylose nicht entdeckt und somit nicht gezielt behandelt, können Folgeerkrankungen, wie Bandscheibenvorfälle, chronischer Schmerz, verletzte Nerven und immer wieder kehrende Entzündungsprozesse auftreten. 

 

Die Krankheit kann nicht geheilt oder aufgehalten werden, jedoch können mit guter tierärztlicher und physiotherapeutischer Betreuung ihre Auswirkungen behandelt und weitere Schäden gemindert werden.

 

In erster Linie sollte hier die Schmerztherapie im Fokus stehen! Während eines aktiven Schubes leidet das Tier starke Schmerzen und zieht sich zurück. Hier sind Schmerz- und Entzündungshemmer vom Tierarzt oft die erste Wahl. 

Die Tierphysiotherapie kann sowohl in den schmerzintensiven Schüben, als auch während den symptomfreien Phasen adäquat unterstützen.  

 

Die verkrampfte Muskulatur kann mithilfe von z. B. Massage, Wärmeanwendung, Magnet- und Lasertherapie, sowie auch mit Akupunktur entspannt werden, was dem Tier schon eine enorme Schmerzlinderung verschafft. Ebenso ist der Einsatz von Blutegeln zur Minderung von Schmerzen und Entzündung sinnvoll! Passive Bewegungstherapie, sowie moderates und kontrolliertes Training dient dem Muskelaufbau, der Gewichtsreduktion und der allgemeinen Verbesserung von Beweglichkeit. Eine starke und gut ausgeprägte Rückenmuskulatur entlastet die Wirbelsäule! 

Durch regelmäßiges Kontrollröntgen , ist man stets auf dem aktuellen Stand des Krankheitsverlaufes und kann die Therapie ggf. anpassen. 

 

Prävention und Tipps

 

Um der Spondylosenbildung entgegen zu wirken, gilt es ein paar einfache Dinge zu beachten. 

  • Übergewicht von vornherein vermeiden
  • Angepasste Ernährung
  • Sport nicht übertreiben! 
  • Warm Up vor jedem Training
  • Verwendung eines gut sitzenden Geschirres
  • Körperliche Belastung dem Hund anpassen
  • Regelmäßige Kontrollen durch Tierarzt oder Tierphysiotherapeuten
  • Überbelastung bereits im Junghundalter vermeiden

 

Natürlich ist Ihr Tier trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht davor gefeit, an Spondylose zu erkranken. Entdeckt Ihr Tierarzt im Röntgenbild Knochenzubildungen, können Sie dennoch Ihr Tier unterstützen. 

  • Vermeidung von Treppensteigen 
  • Vermeidung von Sprüngen in/aus dem Auto (Hunderampe!)
  • Abrupte und enge Wendungen vermeiden
  • Zug- und Druckbewegungen der Wirbelsäule vermeiden 
  • Schnelles Abbremsen, wie z. B. beim Ballspielen vermeiden
  • Warmen und druckentlastenden Liegeplatz anbieten (orthopädisches Bett!)
  • Nahrungsergänzungsmittel
  • Kälte und Nässe (gerade im Winter) vermeiden (Bademantel!)

 

Um Ihren Hund dennoch körperlich zu betätigen, eignen sich leichtes Joggen, sowie Schwimmen. Zudem können Sie hervorragend Schnüffel- und Suchspiele auf Ihre Gassiwege einbauen, um so den Hund auch geistig zu fordern.